So geht’s ohne Ärger: Shooting in the Highlands

Die schottischen Highlands sind ein toller Drehort. Das Team von Lilablassblaukariert drehte dort Guerillastyle, wie Ihr hier lesen könnt. Ich sprach mit dem schottischen Location Manager David Taylor, wie es richtig geht!

Locations_ScotlandViele Filmteams träumen davon, in exotischen Landschaften zu drehen. Da musste nicht erst „Der Hobbit“ um die Ecke kommen, um diese Begehren zu wecken. Aufregende Drehmotive, die nicht nach Deutschland aussehen, liegen aber nun mal nicht vor der Haustür. Ganz nach Neuseeland muss man dafür jedoch nicht. Die schottischen Highlands zum Beispiel liegen gerade ein paar Flugstunden von Hamburg entfernt. Der Landstrich war genau der richtige Ort für Julian Dieterich und sein Team. Für ihren Kurzfilm „Unterwasser ist es still“ flogen sie nach Schottland und schossen dort ihr Material – ohne Genehmigung.

„Für einen Kurzfilm oder Indie-Langfilm ist das vielleicht noch okay“, sagt David Taylor. „Aber du hast immer die Gefahr, später das Material nicht verwenden zu dürfen – weil es keine Freigabe gibt!“ Und wenn ohne Genehmigung etwas passiert, hagelt es Strafen. Taylor arbeitet seit 20 Jahren in der Unterhaltungsindustrie. Erst im Konzert- und Eventbereich, dann rutschte er eher zufällig in die Motivsuche. Und blieb dort. In Schottland gibt es keine große Filmindustrie, daher arbeitet er viel für TV-Sendungen, Reisemagazine oder Reality-TV-Formate. Immer wieder ist auch ein Langfilm darunter oder gar ein  Blockbuster.

Als Assistant Location Manager arbeitete er so für „Under the skin“ mit Scarlett Johannson, unter der Regie von Jonathan Glazer sowie als Location Scout für den Nachdreh des Hollywood-Krachers „World War Z“ von Mark Forster mit Brad Pitt. Bei letzterem war er jedoch nur ein paar Tage an der Motivsuche des Industriekomplexes beteiligt, weil er an dem Jonathan-Glazer-Film arbeitete. „Wann kann man schonmal absagen mit: ‚Nein, ich habe keine Zeit für Euren Brad-Pitt-Streifen, ich arbeite gerade an dem Scarlett-Johannson-Film'“, sagt Taylor.

Taylors Empfehlungen für Produktionen, die in Schottland, speziell in den Highlands, drehen wollen, lassen sich grob in drei Punkten zusammenfassen:

  1. Location Manager oder Produktionshelfer vor Ort suchen.
  2. Mit viel Zeit im voraus planen.
  3. Was man vorhat, offen kommunizieren!

Die Vorteile eines Location Managers vor Ort liegen auf der Hand. Taylor und seine Kollegen kennen Land und Leute, wissen, wie man mit Grundbesitzern und Beamten vor Ort reden muss, bringen oft ihr eigenes Renommee mit ins Spiel. Gerade in den Highlands ist oft nicht ganz klar, wem welches Stück Land gehört. Hier kann der Location Manager entweder durch seine Kenntnis der Örtlichkeiten in Erfahrung bringen, wer der Ansprechpartner ist oder weiß es gar aus früheren Projekten.

Taylor empfiehlt, erst die Hauptmotive zu suchen und dann um diese herum die kleineren Motive anzusiedeln. So hält man den logistischen Aufwand klein. Hier kann er bereits Vorschläge unterbreiten, bevor das Team nach Schottland kommt. Auch die Webseiten von Scotland’s Screen Commission bieten Einblicke in Motivdatenbanken, sogar spezielle Ansprechpartner für die Highlands gibt es. Ist die Region gewählt, werden erste Drehort-Besichtigungen gemacht. Je nach Projektgröße können das diverse Termine für die einzelnen Departments sein. Schon zu dieser Zeit beginnen die ersten Gespräche mit den Motivgebern. Nur wenige Gebiete in den Highlands sind nicht in privater Hand. Hier gilt es also, den Grundbesitzer ausfindig zu machen und mit diesem in Verhandlung zu treten.

Auch hier ist ein Schotte als Verhandlungspartner von großem Vorteil. Nicht selten kommt es vor, dass Taylor dem Besitzer klar machen muss, dass er für den aktuellen Independentfilm nicht 5000 Pfund Motivgebühr pro Tag verlangen kann, wie für den Hollywood-Blockbuster inklusive Helikopter-Landung. „Das ist eine meiner schwersten Aufgaben“, erklärt David Taylor. Damit wird auch schon klar, dass die Gebühren nach Projekt und Kooperationswilligkeit des Motivgebers variieren können. Nur auf öffentlichem Grund ist das anders. Auf der Isle of Skye zum Beispiel gibt es Gebiete, die der schottischen Regierung gehören. Hier wird ein fester Satz von 550 Pfund pro halbem Tag fällig.

Auch wenn Motivgeber kein Geld verlangen, sollte immer ein Motivvertrag aufgesetzt werden, in dem genau geregelt ist, was die Rechte und Pflichten sind. So haben beide Seiten Rechtssicherheit. Eine Haftpflichtversicherung ist ohnehin obligatorisch.

Damit das alles vorab geklärt werden kann, ist ein vernünftiges Zeitpolster vonnöten. Taylor sagt, je größer ein Projekt, desto Wild in den Highlandslänger sollte der Dreh auch vor Ort angekündigt sein. Eigentlich ein Selbstgänger, wird dieser Grundsatz aber immer wieder ignoriert. Zwar gibt es keine öffentlichen Genehmigungen, auf die man warten muss. Doch die Gespräche mit den Grundbesitzern, besonders, wenn ein Motivvertrag ausgehandelt wird, können sich ziehen. Besonders, wenn eine Ermittlung des Besitzers noch aussteht.

Auch müssen vor Ort Versicherungen abgeschlossen werden, da diese auf britisches Recht ausgelegt sein müssen. Hier ist der Location Manager aus Schottland empfehlenswert, da er sich mit den strikten Arbeitsschutzgesetzen sowie Umwelt- und Gesundheitsrichtlinien Großbritanniens auskennt. Sich auf diese von Produktionsseite her einzustellen, kann Zeit kosten.

Auch die lokalen Behörden haben es gerne, wenn man sie frühzeitig von Dreharbeiten unterrichtet. Zwar muss in den seltensten Fällen eine Genehmigung erteilt werden, aber es ist ratsam diese Leute auf seiner Seite zu wissen. Solange keine Straße blockiert wird oder landschaftliche Veränderungen vorgenommen werden, ist keine offizielle Absegnung nötig.

Hier klingt dann schon an: Kommunikation ist immer gut. Grundsätzlich verboten ist wenig. Daher sollte man früh klare Angaben dazu machen, was man vorhat. „Wenn man zum Beispiel mit einer Kameradrohne in einem Naturschutzgebiet drehen will und in der Nähe nisten Steinadler, dann sollte das Gespräch darüber gesucht werden, was genau zu beachten ist“, rät der Location Manager. Solche Gebiete gibt es überall in den Highlands, vor allem natürlich in den National Parks. Hier können Taylor Kontakte zur Parkleitung herstellen, um die Auflagen in Erfahrung zu bringen.

In den Städten gilt ebenfalls: Sagt den Leuten Bescheid! Für gewöhnlich werden sich die Schotten nicht beschweren, wenn bei ihnen um die Ecke gedreht wird. Steht aber unangekündigt ein 200-Mann-Team vor der Tür und parkt die Straße zu, mag das wohl niemand.

Gerade größere Projekte müssen auf die infrastrukturelle Anbindung achten. Hier kann es schlau sein, eine größere Stadt in der Nähe zu haben. Taylor empfiehlt deshalb gerne, zum Beispiel Glasgow als Standort zu nutzen und von dort aus in die Region Argyll and Bute zu fahren. Das sind 40 Minuten Fahrtzeit. Wer nochmal 20 Minuten mit der Fähre auf sich nimmt, kann eine einmalige Landschaft nutzen, die dennoch nicht tief in den Highlands liegt.

Wenn David Taylor seinen eigenen Lieblingsplatz in Schottland nennen soll, folgt eine Auflistung, die er irgendwann abbricht: „Es ist schwierig, das alles aufzuzählen.“ Die Region Argyll and Bute mag er sehr, auch Glencoe kann er nur empfehlen. Der malerische Ort liegt am Loch Leven in der Nähe von Fort Williams. Die Isle of Skye ist zwar mittlerweile sehr touristisch, aber wunderschön und deshalb häufiges Ziel von Filmteams. Dort wird auch Taylors nächstes Projekt ihn wieder hinführen.

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