Halbzeit beim Serien-Crowdfunding für „Filmstadt“

Seit dem letzten Jahr boomen deutsche Indie-Webserien. Nicht unschuldig daran ist das „UnsereSerien“-Projekt von Dennis Albrecht. Seine eigene Produktion „Filmstadt“ geht jetzt in die dritte Staffel. Die zugehörige Crowdfunding-Kampagne hat gerade Halbzeit. Albrecht verriet mir, wie es läuft.

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Dreharbeiten zu „Filmstadt“: Regisseur Dennis Albrecht mit Hauptdarstellerin Stephanie Charlotta Koetz (Foto: Dennis Albrecht Film)

Eine Webserie übers Filmemachen ist riskant. Die Zielgruppe, die sich für die Arbeit am Set interessiert, ist vergleichsweise klein. Die Gefahr ist groß, dass sich das breite Publikum bei Insiderstorys ausgeschlossen fühlt. Dennis Albrecht hat sich davon erstmal nicht aufhalten lassen. Als er 2012 anfing, in Hamburg seine Indieserie „Filmstadt“ zu drehen, wollte er einfach eine gute Geschichte umsetzen. Zwischen 2012 und 2013 entstanden vier Folgen der ersten Staffel zwischen 2013 und 2014 sechs weitere für die zweite. Alles aus der eigenen Tasche finanziert. Doch Albrecht will weiter erzählen ohne zu warten, bis er sich das wieder leisten kann. Also wendet er sich jetzt an sein Publikum und hofft, über Crowdfunding 7000 Euro für die finale Staffel von „Filmstadt“ zusammen zu bekommen.

Doch wie kam es zu dem Projekt? Seit bald 20 Jahren dreht der Filmemacher eigene Werke, unabhängig und selbst finanziert. Ein Idealist, wie ihn die Filmindustrie eigentlich schnell kaputt macht. Sein Geld verdient er freiberuflich in verschiedenen Positionen beim NDR. Abends setzt er sich an seine Drehbücher und Besetzungslisten. So war es auch bei „Filmstadt“. Albrecht wollte über die Filmbranche erzählen mit handfesten, emotionalen Geschichten.

Wie das aussehen sollte, war Albrecht schnell klar: „Ich liebe serielles Erzählen!“ Schon bei früheren Projekten hatte er so gearbeitet, diesmal wollte er extra für das Netz und auf hohem technischen Niveau produzieren. Ihm war sehr früh klar, dass er die Folgen frei im Netz verfügbar machen wollte. Die sechs Folgen der ersten Staffel sind auf diversen Portalen zu finden. Die Premiere der zweiten Staffel ist für den Frühsommer auf dem Youtube-Kanal CiNENET Serien geplant.

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Screenshot aus der dritten Staffel von „Filmstadt“ mit Angelina Kamp und Dietmar Horcicka.

Zum Erfahrungsaustausch schaute Albrecht zeitgleich zur Entwicklung von „Filmstadt“ über den Tellerrand und spürte Leute auf, die ebenfalls unabhängige Webserien produzierten. So startete Albrecht die Aktion „Unsere Serien“, die im Januar 2015 zu einem Serienscreening auf dem Snowdance Independent Filmfestival im bayerischen Landsberg führte. Mittlerweile sind hier mehr als ein dutzend Indieserien organisiert. Im März wurden viele davon bei drei Terminen im Hamburger Kino B-Movie vorgestellt.

Neben der Liebe zur Serie an sich, hat die Entscheidung noch einen handfesten, dramaturgischen Grund für Albrecht. „Der Vorteil bei einer Serie ist, man hat mehr Zeit, die Figuren zu entwickeln“, erläutert Albrecht. Die Beziehungen zwischen den Agierenden können viel komplexer werden, wodurch auch die Charaktere selbst mehr Tiefe erhalten. Die Geschichten sind teilweise aus dem Leben gegriffen, doch Albrecht macht keineswegs den Fehler, ins Anekdotische abzudriften. Im Vordergrund steht bei ihm immer die Geschichte seiner Hauptfiguren, nicht das Anprangern von Dingen, die im Filmbusiness falsch laufen.

Am letzten Wochenende begann der erste Hamburger Drehabschnitt der finalen dritten Staffel in den ehrwürdigen Studios in Bendestorf. Albrecht möchte nochmal sein gesamtes Figurenarsenal aufbieten und jeder Rolle einen würdigen Abschluss bieten. Doch, um das wieder komplett privat zu stemmen, müsste er sich eigentlich mindestens ein Jahr nur auf die Arbeit und das Geldverdienen konzentrieren. Weder schreiben, noch drehen.

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Screenshot aus der ersten Staffel von „Filmstadt“ mit Ulrike Kargus und Alexander Wipprecht.

Durch den immensen Zuspruch bei den ersten beiden Staffeln sah er sich ermutigt, die Gruppe der Unterstützer anzusprechen und die Summe per Crowdfunding-Kampagne zu akquirieren. Er wählte die deutsche Plattform Startnext.com und kalkulierte eine Summe von 7000 Euro als Fundingsumme. Für das Video zum Spendenaufruf sprachen viele seiner Darsteller extra einen kurzen Text in die Kamera, ob beim Dreh zu „Filmstadt“ oder privat. Schauspieler Thomas Held erklärte gar in seiner Rolle, was er hoffe in der Serie noch zu erleben. Das Ausdenken der Dankeschöns war nicht ganz einfach. Eine der wichtigsten Erkenntnisse für ihn: „Anschaffung und Herstellung der Rewards sollten deutlich unter dem Spendenbetrag liegen, sonst bleibt nichts für die Kampagne übrig.“

Auch bei ihm gibt es die Klassiker, DVDs und Downloads der Folgen sowie Poster mit Autogrammen. Ungewöhnlicher ist da der Original-„Filmstadt“-Wein oder gar -Sekt. Für 150 Euro darf man sogar als Edelkomparse vor die Kamera und für 200 Euro ist auch ein Treffen mit Regisseur und Darstellern zum Kaffee an einem der Drehmotive drin. Hier gab es auch Prinzipien, an die Albrecht sich hielt: „Ich wollte nicht zu hohe Summen veranschlagen. Wenn ich nicht das Gefühl habe, das könnte sich jeder aus meinem Bekanntenkreis leisten, lasse ich das lieber weg.“ So ist der höchstmögliche Förderbetrag 1000 Euro. Damit geht dann der Titel des Ko-Produzenten der ganzen dritten Staffel mit Nennung in Vor- und Abspann einher.

Aktuell sind von 7000 Euro rund 2700 Euro zusammen gekommen. Für den bisherigen Zeitpunkt ist das okay, könnte aber besser sein.“Eigentlich müsste man täglich sein Umfeld nerven“, scherzt er. Tatsächlich bestätigen Crowdfunder auf der ganzen Welt, dass der Dauerbeschuss die größtmögliche Chance auf Erfolg verspricht. Was sich schlimm anfühlt, geht einfach auf die Abläufe der sozialen Medien ein. Nicht jeder bekommt den Post vom Montag Vormittag mit. Ist erstmal Dienstag, schwemmt die Informationsflut soviel neues in Twitter, Facebook oder Google+, dass ein einzelner Post schnell verschwindet. Damit wirklich jeder alles mitkriegt muss die Schlagzahl hoch sein. Albrecht macht das nur, wenn er auch etwas Interessantes zu berichten hat.

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Albrechts kleines Team bei den Dreharbeiten zur ersten Staffel im Frühjahr 2012 (Foto: Dennis Albrecht Film)

So konnte er Ende März und Anfang April zwei tolle Gastauftritte verkünden. Niemand Geringeres, als Frank Zander wird für eine Szene vorbei schauen. Zudem wird Charles Rettinghaus eine Rolle übernehmen. Der Schauspieler und Synchronsprecher ist vielen als deutsche Stimme von Stars wie Jamie Foxx oder Jean Claude van Damme bekannt. Bis zum Abschluss des Crowdfundings sollen noch ein paar Schmankerl folgen, über die Albrecht aber noch nicht sprechen möchte. Er ist zuversichtlich, dass die Kampagne erfolgreich sein wird, weiß aber, dass noch eine Menge zu tun ist, bis die letzten vier Folgen über Leinwände oder Monitore flimmern werden. Bis zum 10. Mai hofft er deshalb erstmal auf Unterstützung beim Funding. „Dann haben wir den Kopf frei zum Drehen“, sagt der Albrecht. Denn das macht der Regisseur immer noch am liebsten.

OFFENLEGUNG: Der Autor dieses Artikels unterstützt das Projekt „Filmstadt“ beratend in den Bereichen Crowdfunding-Konzept und Script-Doctoring.

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1 Antwort

  1. Thomas sagt:

    Wie man aktuell sehen kann, fehlt es noch ein wenig, um die gewünschte Summe zu erzielen. Da kann man Euch nur die Daumen drücken, dass es am Ende doch noch klappt.

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