INDIEgramm Juni – Himmelshaie, Ölreserven und die Metaebene

Der Sommer naht. Manche sagen, er sei bereits hier. In Hamburg kann man das nicht so genau sagen. Was wir mit höchster Genauigkeit wissen: Rodja ist da. Und damit das INDIEgramm für Juni! Diesmal hat unser Wiener Kollege Zombies, Haie, Blockbuster sowie ganze Planeten dabei. Klein war noch nie sein Ding. Wie er in den Indiefilm noch die Metaebene reinbringt? Lest es doch selbst:

skysharks

Foto: Benfeghoul Production

indiegramm_logoHaie. Nazis. Zombies. Jede einzelne dieser Entitäten hat genügend Potenzial, um für abendfüllende Unterhaltung zu sorgen. “Warum nicht den Spaß verdreifachen und alle Faktoren miteinander kombinieren?”, müssen sich die Macher des in Vorproduktion befindlichen “Sky Sharks” wohl gedacht haben. Und lassen ein Geologen-Team in der Antarktis eine Höhle mit einem intakten Nazi-Labor finden. Dort wurde mit fliegenden Haien herumexperimentiert – und mit genetisch mutierten Super-Menschen, die als Reiter fungieren. 

Doch bis der Film gedreht wird, muss noch einiges geschehen. So wurde auf Kickstarter eine Crowdfunding-Aktion gestartet, um 75.000 Euro (wohl als Teilfinanzierung) zu lukrieren. Der Film unter der Regie von Marc Frehse wartet mit Stars und Sternchen wie dem markanten Robert LaSardo (“Leon – Der Profi”, “Nip/Tuck”), Charles Rettinghaus (“Planet USA”, die deutsche Stimme von u.a. Jamie Foxx und Jean-Claude Van Damme), Ralf Richter (“Bang Boom Bang”, “Village People 2 – Auf der Jagd nach dem Nazigold”), Tobias Schenke (“Knallharte Jungs”), Michaela Schaffrath (Ex-Gina Wild) und Nackt-DJane Micaela Schäfer (“Seed 2″, “La Petite Mort II”) auf. “Deadline”-Herausgeber Yazid Benfeghoul fungiert als Co-Produzent. Hier geht’s zumTeaser!

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planetusa

Foto: SchroederMedia

Planet USA“ goes USA. Flo Lackners 2014 veröffentlichte Kriegsaction-Satire, die unter anderem mit David Hofer, Charles Rettinghaus, Wolfgang Bahro (genau, das Ekelpaket aus „GZSZ“) und Tim Seyfi („Kebab mit Alles“) größtenteils in Österreich gedreht wurde, ist nun auch dort angekommen, wo die Handlung eigentlich auch spielt. Das Label OliveFilms hat den Film jetzt mit englischsprachigen Untertiteln in den Vereinigten Staaten herausgebracht. Ich bin gespannt, wie die Amerikaner auf die geistig etwas zurück gebliebene Kampfmaschine US-Major George Conrad reagieren. Besagter Major soll in der Filmhandlung – vorgeblich für die USA die Ölreserven auf dem Mond anzapfen, samt Pipelinebau durch den Weltraum. Der „größte Actionfilm aller Zeiten – in Österreich“, wie uns das Cover wissen lässt, ist auch nach wie vor hierzulande auf DVD und Blu-ray erhältlich. Hier sei auch nochmal auf den Trailer hingewiesen.

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blockbuster

Foto: Independent Works

Am 30. Juni 2015 feiert ein außergewöhnliches Filmprojekt seine Premiere im Wiener Gartenbaukino (DEM österreichischen Premierenkino schlechthin). „Blockbuster – Das Leben ist ein Film“ wurde mit einem Budget von 20.000 Euro (teilweise durch Crowdfunding) gestemmt und erzählt die Geschichte von Vlado Priborsky, der als Kind in den 1980ern mit seiner Familie aus der damaligen Tschechoslowakei nach Österreich kommt und durch diverse VHS-Kassetten seine Liebe zum Film entdeckt. Er bewirbt sich an der Filmakademie, wird abgelehnt, bekommt Krebs – und dreht ein paar Kurzfilme, die zeigen, dass Priborsky sich auf kein Genre festlegen lässt. Er dreht Splatter, Mystery, Survivalthriller und sogar eine Art Screwball Comedy. Aber eines fehlt ihm noch als Regisseur – ein Spielfilm, ein „Blockbuster“.

Und nun geht’s ab auf die Metaebene. Denn den Regisseur Vlado Priborsky gibt es wirklich – und er verfilmte mit „Blockbuster“ sein eigenes Leben. Sein Arbeiten als Filmemacher, das Drehen seiner No-Budget-Kurzfilme (zum Beispiel „Secret Services“ hier in voller Länge anschauen), seine Krebserkrankung, sein Bemühen, einen Spielfilm mit möglichst vielen Stars auf die Beine zu stellen. Und in dem Film treten dann auch viele österreichische Schauspielstars auf wie Reinhard Nowak („Muttertag“), Manuel Rubey („Braunschlag“, „Falco – Verdammt, wir leben noch“), Sabrina Reiter („In 3 Tagen bist du tot I + II“), Alexander Pschill („Kommissar Rex“), Ursula Strauss („Revanche“, „Schnell ermittelt“), Tanja Raunig („Aufschneider“, „One Way Trip 3D“) und, und, und… Der Premierenabend findet als Benefizveranstaltung für die St. Anna Kinderkrebsforschung statt. Regulär kommt der Film am 3. Juli in die österreichischen Kinos. Den Trailer findet ihr unter diesem Link zu YouTube.

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Screenshot: Webseite „Stichwort: Drehbuch“

Ein kleiner Tipp: Stichwort: Drehbuch ist ein Podcast vom Verband der deutschen Drehbuchautoren. Alle drei bis vier Wochen bringt das Redaktionsteam bestehend aus den Drehbuchautoren Frank Zeller, Oliver Schütte (schrieb auch Sachbücher wie „Die Kunst des Drehbuchlesens“ und „Schau mir in die Augen – Die Kunst der Dialoggestaltung“) und Simone Zahn eine Episode heraus, in dem die drei zu aktuellen Filmen (meist deutschen TV-Filmen, Serien- oder Kinoproduktionen) die verantwortlichen Drehbuchautoren vorstellen und interviewen, sowie aktuellen – auch ausländischen – Trends in der Filmlandschaft nachgehen. So interviewten sie zuletzt unter anderem den Autor Fred Breinersdorfer, der mit seiner Tochter Leonie-Claire das Drehbuch zu „Elser“ schrieb oder den US-Showrunner Craig Wright („Six Feet Under“, „Dirty Sexy Money“). Im aktuellen Interview bricht Autor und VDD-Vorstandsmitglied Uwe Petzold eine Lanze für die viel geschmähten Scripted-Reality-Formate. Außerdem beinhaltet die Website auch ein Archiv mit Drehbüchern von deutschen Produktionen. Allerdings habe ich da das Gefühl, dass da seit einiger Zeit nichts mehr nachkommt.

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hirschen

Foto: „Hirschen“ – www.hirschen-film.com

Einfach fan-tast-hirsch! Nach Österreich landet nun auch “Hirschen – Da machst was mit!” von Georg Inci und Beatrice von Moreau in Deutschland. Nach einer ausgiebigen Vorpremierentour startet der Indie-Film in aktuell 44 Kinos. (Hier gibt es eine Liste, in welchen!) Die zwei deutschen Filmemacher drehten den Indie-Film in dem Tiroler Ort Außervillgraten (hatte ich bis dato noch nicht auf meiner Landkarte) und besetzten die Rollen teils mit professionellen Schauspielern, teils mit Mitgliedern der örtlichen Theatergruppe. Inhaltlich geht es darum, dass der Ort Hirschen nach der Pleite des größten Arbeitsgebers von Arbeitslosigkeit und Abwanderung bedroht ist. Allerdings entwickeln die verbliebenen Dorfbewohner mit viel Bauernschläue eine kleine Gaunerei rund um falsche Hirsche, fingierte Unfälle und Rehab-Aufenthalten.

Wie dem Pressetext zu entnehmen ist, ist “Hirschen” nicht nur ein Herzensprojekt von Regisseur George Inci gewesen, sondern auch eine 16-jährige Odyssee. Über acht Jahre schrieb Inci an dem Drehbuch, weitere vier Jahre brauchte er, um in Deutschland eine Förderzusage zu bekommen, die aber ohne Angabe von Gründen wieder zurückgezogen wurde. Schließlich überredete die Kollegin Beatrice von Moreau ihn dazu, sein Drehglück in Österreich zu probieren.

Kurz vor Drehbeginn lehnte die Cine Tirol auch noch eine Drehförderung ab. “Wir waren ja inzwischen Kummer gewöhnt und überlegten, ob wir es nicht einfach wagen sollten, auch dieses Riesenprojekt aus eigener Kraft und mit technisch geringstem Aufwand zu stemmen. Wir fuhren also in unser Filmdorf Außervillgraten, machten eine Gemeindeversammlung, stellten uns vor und erzählten, was wir so vorhatten. Wenn ich heute darüber nachdenke, ein absoluter Wahnsinn, was dann passiert ist”, so George Inci im Pressetext. Zu der Versammlung kam auch die Theatergruppe Außervillgraten – für die deutschen Filmemacher ein absoluter Glücksfall: “Wir konnten uns quasi fast alle Rollen ‘von der Stange‘ pflücken, denn die Mitglieder der Theatergruppe waren genau so, wie ich mir die Figuren vorgestellt habe.“ Aber mit den Schauspielern hörte die Hilfe der Dorfbewohner nicht auf. “Als die Außervillgrater außerdem hörten, dass wir alles aus eigener Kraft finanzieren müssen, bekamen wir eine enorme Unterstützung. Der Bürgermeister unterstützte uns, wo er nur konnte, stellte uns Drehorte zur Verfügung, seine Assistentin vermittelte uns alle Kontakte, die wir brauchten und sprang immer wieder ein, wenn Not am Mann war. Die Gemeindearbeiter wurden in unseren Dienst gestellt. Die Dorfbewohner ließen uns gratis in ihren Wohnungen drehen, die Feuerwehr half uns zum u.a. beim Absperren der Straßen und die Musikkapelle spielte für uns, um nur einen Bruchteil dessen zu nennen, was wir in diesem Dorf an Unterstützung erfahren haben”, schwärmt Inci noch heute von den Dreharbeiten.

„Hirschen – Da machst was mit!“ ist eine charmante, skurrile und etwas überlange Komödie, die Lust auf ein ausführliches Making-Of macht – und dieses vielleicht sogar in Spielfilmform. Quasi Metaebene. (Hm… ist da jetzt nicht gerade ein anderes Filmprojekt…?) Trailer gibt es keinen wirklichen – deswegen gibt es hier ein stimmiges, kürzeres Making-Of.

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