KurzfilmKino: „Circuit“ von Robert Gwisdek

CircuitMit welchem Problemen sich herbeigerufenen Handwerker herum schlagen müssen – davon machen wir uns alle keine Vorstellung. So spielt das Schicksal einem emsigen Elektriker übel mit, der eigentlich nur das Tastenfeld einer Türöffnungsanlage instand setzen will. Und sich unversehens in einer nimmer enden wollenden Schleife wiederfindet. Sofort macht sich der Herr im Blaumann daran, mit Werkzeug und Köpfchen dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen.

Je einfacher die Grundprämisse eines Filmes, desto mehr muss sie überzeugen. Handwerker bei der Arbeit sind da eine tolle Idee. Sie haben ein klar definiertes Ziel, jeder kennt ihre Aufgabe, jeder weiß, wann diese gelöst ist – visuell äußerst dankbar. „Circuit“ schafft es sogar, die Lösung dieser Aufgabe mit etwas Existenziellem zu verbinden, braucht dafür gerade eine Kameraeinstellung und eine einzige echte Rolle. Das ist eine Herausforderung. Zudem, weil die Prämisse des unendlichen Raumes das Team vor das technische Problem stellt, diesen ohne viel Nachbearbeitung auch so wirken zu lassen. Klappt das alles? Oh ja, das klappt alles. Höchst unterhaltsam sogar. Doch ich werde das Kurzfilmpony diesmal verkehrt herum aufzäumen, wenn mir diese völlig unpassende Metapher erlaubt ist.

Fangen wir beim Effekt an. Der wirkt so nahtlos und federleicht, dass es eine Freude ist, zuzusehen. Die zugegeben einfach Story wird dadurch perfekt verkauft, man stolpert nicht einmal über visuell Unschlüssiges. Gleiches gilt für das sehr präsente Sounddesign. Kein Gegenstand, der nicht einen wieder erkennbaren Sound hat und dessen Einsatz sofort jegliche Aufmerksamkeit auf sich zieht. Schön geschnitten ist das ganze auch noch, mit Jump Cuts versehen, um das Verstreichen der Zeit zu erzählen.

Das Problem und Ziel unseres Elektrikers wird schnell klar, wodurch auch zügig Thesen aufgestellt werden, wie das Ganze zu lösen sei. Hier kommt ein wichtiger Fakt ins Spiel. Diese Aufgabe steht und fällt mit einem Schauspieler, der den unwahrscheinlichen Irrsinn mit Glaubwürdigkeit füllen kann. Robert Gwisdek ist genau der Richtige für diesen Job. Das ihm hier größtenteils die Sprache genommen ist, mag zunächst bekümmern.

Denn Gwisdek ist eigentlich als Wortakrobat bekannt. Nicht nur, dass er vor der Kamera fremder Leute Dialoge preiswürdig feilzubieten weiß, er hat sogar seine eigenes Rap-Alter-Ego namens Käpt’n Peng nebst Beat-Producer Shaban (Sein Bruder Johannes Gwisdek) und feiner Band „Die Tentakel von Delphi“. Allesamt erscheinen übrigens im eigenen Label Kreismusik. Ganz Pfiffige werden in dessen Namen eine Parallele zum Film erkennen.

In „Circuit“ hält Gwisdek allerdings überwiegend den Mund. In anderem Kontext wäre das Grund genug, dem Streifen aus Prinzip den Rücken zu kehren. Doch hier ist es zu verkraften. Denn in diesem Werk hat der Schauspieler nicht nur den Part vor der Kamera eingenommen, Idee, Buch und Regie liegen ebenfalls in seiner Hand.

Aha, sagt Ihr, deshalb die Sache mit dem Kurzfilmpony. Ja, wir verstehen uns.

Es macht einen Heidenspaß Robert Gwisdek dabei zuzusehen, wie er zwischen Slapstick und Drama tänzelnd versucht, die räumliche Endlosschleife auszutricksen und hinter das Geheimnis der Schließanlage zu kommen. Wer mag, kann noch diverse philosophische oder gesellschaftliche Konnotationen feststellen. Sicher, das hätte alles nicht knapp 15 Minuten lang sein müssen. Die Geschichte hätte ganz schön auch in zehn Minuten gepasst. Aber wer wird über fünf extra Minuten Robert Gwisdek meckern wollen?

Fazit: Technisch brillanter, höchst unterhaltsamer Kurzfilm zum mehrmals gucken!

JETZT und HIER Ansehen:

CIRCUIT from KREISFILM on Vimeo.

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