Die Regeln des Crowdfunding – und wie man sie bricht

Im gestrigen Beitrag „Wie der Mysteryfilm ‚Schattenwald‘ zur Förderung kam“ stellte ich Euch Laura Thies vor. Die Anschubfinanzierung für ihr Filmprojekt stammte aus einer außergewöhnlichen Crowdfunding-Kampagne. Im Interview erklärt Laura, welche Regeln sie ganz bewusst gebrochen hat, um Erfolg zu haben.

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Regisseurin Laura Thies und Schauspielerin sowie Drehbuch-Autorin Josephine Ehlert Foto: Vreni Arbes (www.vreni-arbes.de)

F&M: Das Ziel Eurer Kampagne waren 30.000 Euro. Wie seid Ihr auf diese hohe Summe gekommen?

Laura Thies: Ursprünglich haben wir gesagt, lass uns 20.000 versuchen. In den USA hatte ich Spielfilme auf Festivals gesehen, die für 25.000 Dollar gedreht worden waren. Da habe ich gesagt, okay, das ist das Mindeste, was wir brauchen. Dann haben wir die Kampagne sehr intensiv vorbereitet. Und so ein oder zwei Wochen bevor die Projektphase live ging, haben wir uns angeguckt und gesagt: 20.000 schaffen wir, lass uns das mal pushen – wir pushen eh schon alles – lass uns 30.000 Euro probieren. Zu verlieren haben wir nichts. Wenn es nicht funktioniert, machen wir das halt nochmal für 20.000. Mit allem, was wir bei der ersten Kampagne gelernt haben.

Was war das Wichtigste, was Du bei der Umsetzung gelernt hast?

Was ich auch von diesem Workshop mitgenommen habe war, dass das ein 24-Stunden-Job ist. Du musst einfach Facebook-Accounts und deinen E-mail-Verteiler „bombardieren“. Und das haben wir gemacht. Wir haben zu der Zeit 24 Videos gedreht und jeden Tag gepostet, was wir gemacht haben oder erreicht haben oder was wir gerade brauchen. Wir haben drei Mood-Trailer gedreht und einen Trailer, der etwas hochwertiger war.

Gab es auch Offline-Aktionen, um die Kampagne in den Köpfen zu halten?

Wir haben eine Party organisiert, mit Tombola. „Schattenwald“ ist außerdem ein regionaler Film, wir haben am Chiemsee gedreht. Also haben wir gesagt, das ist auch unsere Stärke. Ich bin dort aufgewachsen, da kannten mich sehr viele Leute und in dieser Region werden auch nicht jeden Tag Filme gedreht. Daher war es relativ einfach, an die Zeitungen dort im Umfeld heranzutreten. Es kamen regelmäßig Artikel raus, jedesmal wenn wir wieder einen 10.000-Euro-Schritt erreicht hatten. Die haben uns echt wahnsinnig unterstützt.

War das alles vorher geplant oder gab es auch Nacht-und-Nebel-Aktionen?

Wir hatten nur noch eine Woche Zeit und waren erst bei 15.000 Euro. Uns war klar, wir müssen noch irgendwas machen, sonst schaffen wir das nicht. Dann schlug Josephine vor, einfach zehn Poster an zehn Isarbrücken aufzuhängen. Ich scherzte so: „Okay, coole Idee. Aber wenn wir das machen, müssen wir das auch mit einem Helikopter abfilmen“ Als Josephine eine halbe Stunde später vom Telefonieren kommt, sagte sie: „Ich habe die Flying Rabbits erreicht! Die fliegen Oktokopter und wollen das mit uns machen. Wir treffen uns morgen um 7 Uhr an der Isar!“ Dann sind wir gestartet, haben beim Baumarkt Planen sowie Spraydosen geholt und haben die ganze Nacht verschiedene Sprüche auf die Plakate gesprüht. Nach einer Stunde Schlaf haben wir uns mit den Oktokopter-Leuten getroffen und das ist sehr gut angekommen! Das waren gute Fotos und coole Videos! Das hat nochmal einiges gebracht! Und dann hat Startnext ja unseren Zeitraum nochmal verlängert, weil es für die wahnsinnig krass war, was wir auf die Beine gestellt haben. Und so haben wir das noch geschafft.

Eigentlich ist ja eine Verlängerung nicht möglich. Wie kam es zur Ausnahme?

Anfangs hatte uns Startnext schon kontaktiert, bevor die Kampagne live gegangen ist. Die haben gesagt: „Ihr seid verrückt!“ Denn die durchschnittliche Summe solcher Projekte ist in Deutschland etwa 8.000 Euro. Und normalerweise läuft die Kampagne dann mindestens 3 Monate. Und wir wollten jetzt 30.000 Euro in einem Monat. (lacht) „Das schafft ihr nie!“ Wir haben denen erklärt, dass uns das bewusst ist und wir es trotzdem probieren wollen. Die haben das Projekt dann halt verfolgt, weil die das auch interessant fanden. Wir waren viel in Kontakt, weil es zu der Zeit auch mit Zahlungen und der Webseite noch einige Probleme gab. Und dann haben die mich kurz vor Ende der Laufzeit angerufen und haben gesagt: „Wir geben euch noch mehr Zeit!“ Das war auch wirklich sehr, sehr speziell. Das machen die normalerweise nicht.

Was glaubst Du, ist der häufigste Fehler bei unerfahrenen Crowdfundern?

Man muss unglaublich viel machen! Das unterschätzen viele beim Crowdfunding. Natürlich ist das ein Betteln und Klinken putzen. Aber das Schöne am Crowdfunding ist, dass es nicht nur ein Nehmen ist, sondern, dass man den Unterstützern auch was zurückgeben kann.

Du sprichst von den „Rewards“ oder „Dankeschöns“. Bei Filmen gibt es ja Klassiker, wie eine DVD oder den Film als Download. Gab es ein Dankeschön bei Euch, das überhaupt nicht funktioniert hat?

Unser 1-Euro-Ding das hat eigentlich gar nicht gut geklappt, aber das fand ich einfach schön. Es sollte einfach gutes Karma bringen, weil der Film so viel mit Energie zu tun hat. Hat aber leider gar nicht so gut funktioniert, weil viele Leute sich gescheut haben, nur einen Euro zu geben. Wir haben gedacht: „Hey, wir brauchen nur 30.000 Leute, die einen Euro spenden. Das tut niemandem weh.“ Aber vielen Leuten ist das unangenehm. Die sagen, nee, das ist zu wenig und dann spenden sie lieber gar nichts. Das fand ich persönlich eigentlich eine schöne Idee.

Welche besonderen Belohnungen habt ihr Euch ausgedacht?

Wir wollten halt wirklich etwas zurückgeben. Für 500 Euro gehen wir einen Tag soziale Arbeit leisten. Bei 2000 Euro haben wir gesagt, wir sammeln Geld bei der Premiere. Und alles, was drüber ist, wird an einen guten Zweck gespendet. Das war uns einfach wichtig, dass wir da ein bisschen ins Soziale reingehen.

Gab es auch die Klassiker?

Wir hatten auch das Übliche, einen Tag am Set, DVD und eine CD vom Soundtrack. Viele machen dann ja Poster oder was weiß ich. Da hat man manchmal mehr Kosten, als dass man da wirklich am Ende was von hat. Zum Beispiel bei der DVD, da kaufe ich mir eine 50er Spindel für 24 Euro und brenne die selber, das kostet mich in dem Sinne nichts. Ein Tag am Set, da muss der Koch vielleicht ein paar Essen mehr kochen, aber das sind Centbeträge im Vergleich.

Vielen Dank, Laura, für diesen Einblick!

Die Startnextkampagne zu „Schattenwald“ von Laura Thies und Josephine Ehlert findet ihr auf der Startnext-Hompage unter dem damaligen Arbeitstitel „Wald der Worte“.

Hier seht Ihr das erste Projektvideo von Laura Thies und Josephine Ehlert:

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