Wie fühlt sich eine Canon 5D MIII in Paris?

 (Foto: Nabben, Paulus, Klöckener)

Hier Kameramann und unsere Autorin ganz groß im Bild: Die Canon EOS 5D MIII (Foto: Nabben, Paulus, Klöckener)

We will always have Paris. Das dachte sich auch Benedikt Nabben. Er drehte mit Canon 5D und seinen Mitstreitern Sebastian Paulus und Martin Klöckener eine Dokuserie über Deutsche in Paris. Sein Drehbericht ist aus einer besonderen Perspektive geschrieben.

1. Juni 2014:

Eine dünne Staubschicht legt sich langsam über mich und nimmt mir den klaren Blick. Ich liege jetzt schon seit einem Monat im Regal und mein Besitzer Benedikt ignoriert mich einfach. Dabei scheint draußen die Sonne, es ist ein schöner Frühsommer und wir leben im Herzen von Paris. Außerdem bin ich eine 5D Mark III, das sollte er mal nicht vergessen! Benedikt und sein WG-Mitbewohner Sebastian sitzen jetzt schon seit einem Monat jeden Tag vor den flimmernden Computerbildschirmen und schreiben E-Mails, erstellen Excel-Tabellen und telefonieren stundenlang, oft in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Ist hier etwa was im Busch? Vielleicht kommt ja bald mein ganz großer Tag?

2. Juni 2014:

Wow! Gerade haben Sebastian und Benedikt ihren Freund Martin vom Zug abgeholt. Er ist mir ja egal, aber was der alles dabei hat! Kommt er doch tatsächlich mit einer richtigen Steadicam, drei riesigen Filmlampen, einem immens großen Carbon-Stativ und meiner Schwesterkamera, der Nikon D800 hier an. Und wie euphorisch und aufgeregt die drei Jungs sind, hier scheint wirklich was in der Luft zu liegen!

3. Juni 2014:

Endlich geht es los! Die ganze Nacht haben vor mir die kleinen Lämpchen der Ladegeräte geblinkt und jetzt werde ich aus dem Regal genommen. Benedikt schraubt mich in den schicken, neuen Kamera-Cage, montiert Mikrofon und Vorverstärker über mir, einen hochauflösenden Vorschaumonitor neben und den Followfocus vor mir. So gefällt mir das, endlich stehe ich mal im Mittelpunkt! Die Staubschicht ist auch längst abgewischt und ich kann Martin dabei zuschauen, wie er seine Steadicam ausbalanciert. Auf dem Weg nach draußen begegnen wir einer neugierigen Nachbarin und endlich kann auch ich mithören, was hier passiert: Die drei möchten in nur einem Monat neun Kurzportraits über Deutsche drehen, die in Paris ihre Heimat gefunden haben. „Leben wie Gott in Frankreich“ oder „Kämpfen, um zu überleben“?

Das Projekt soll der deutschen Gemeinschaft in Paris ein Gesicht geben, und das in dreiminütigen Kurzfilmen. Ein ehrenamtliches Projekt von drei hochmotivierten Studenten, die Tag und Nacht dafür arbeiten möchten, die bestmögliche Qualität zu produzieren. Jetzt bin auch ich ganz aufgeregt, da werde ich bestimmt viel zu sehen bekommen! Wir werden nämlich einen Luxusfriseur an den Champs-Elysées besuchen, eine Yogalehrerin in der deutschen Botschaft, eine Sängerin in den gefürchteten Pariser Vororten, einen Grafiker im Hipster-Viertel, eine Salsa-Tänzerin, eine Buchhändlerin, die Verkäuferin aus dem „Tante-Emma-Laden“ und einen Kino-bekannten Schauspieler.

Genug Vorgeplänkel, jetzt geht’s rein ins Geschehen! Und das ist heute ein großes Filmset im Norden von Paris. Hier dreht gerade ein französischer Regisseur einen Kurzfilm, eine der Hauptrollen spielt darin unser deutscher Protagonist. Wir bauen uns am Set in zweiter Reihe auf, um beim Dreh jede Bewegung von ihm festhalten zu können ohne dabei die Spielfilm-Crew zu behindern. Dabei komme ich mir zwischen den großen Canon C300 auf einmal ganz klein vor, aber mein Bild kann doch überzeugen. Gerade in den finsteren Szenen kann ich zeigen, was aus mir herauszuholen ist.

Glück für uns: Der Regisseur ist tolerant und meine Jungs dürfen sich überall frei bewegen. So haben wir schon tolle Bilder mit der 50er-Festbrennweite in der Maske gedreht, den Schauspieler in den Drehpausen begleitet und selbst in Actionszenen mit viel Blut, Waffen und Geschrei stehen wir direkt am Geschehen. Als es langsam Abend wird und auf meinen zwei Speicherkarten schon satte 44 Gigabyte Material schlummern, geht es endlich zurück in die enge Studenten-WG im Pariser Westen und mein Tagwerk wird gesichert und begutachtet. Da die drei einen hochzufriedenen Eindruck machen, kann ich mich nun beruhigt erholen. Denn schon morgen geht es weiter.

Der Schauspieler: Jochen Hägele from Heimat Paris on Vimeo.

4. Juni 2014:

Gestern dachte ich noch, es wäre eine Ausnahme gewesen. Heute weiß ich, daran werde ich mich gewöhnen müssen: Diese völlig entgeisterten Blicke der genervten Pariser Pendler in der Metro. Und der D800 geht es noch viel Schlimmer, als Martin sich mit ihr auf dem Arm der Steadicam in die berstend volle Bahn drängt. Aber wir können uns halt nicht in Luft auflösen und ein Auto ist bei dem ehrenamtlichen Projekt nicht finanzierbar. Raus aus der Metro und ab ans Tageslicht: Heute drehen wir im alternativen Viertel Belleville weitere Szenen mit dem Schauspieler. Er lebt hier und versucht das Lebensgefühl des ehemaligen Dorfes zu zeigen. Die D800 schwebt auf ihrer Steadicam vor ihm durch schmale, zugewachsene Gässchen, ich liege mit dem 200mm-Objektiv auf dem Boden und filme die Birkenstocksandalen, die gut das Lebensgefühl des deutschen Schauspielers im Pariser Großstadttrubel illustrieren.

Nachdem alle Außenaufnahmen im Kasten sind, werden die D800 und ich im Obergeschoss einer Eckkneipe auf unsere Stative geschraubt, die Tonangel wird ausgefahren und die großen Lampenschirme tauchen die ganze Szenerie in ein angenehmes, warmes Licht. Während Sebastian nicht locker lässt und den Schauspieler mit Fragen zu seinem Beruf, dem Leben als Deutscher in Paris und seinem Bezug zu Deutschland löchert, zeichnen die D800 und ich das Interview aus zwei Perspektiven auf. Das ist wichtig, um später schön schneiden zu können. Der spätere Kurzfilm soll nämlich auf dem Interview basieren. Der Protagonist erzählt ganz alleine seine Geschichte, eine Off-Stimme würde da nur von der eigentlichen Geschichte ablenken. Und zumindest der heutige Protagonist kann erzählen und hat etwas zu erzählen. So hat er als Deutscher in Frankreich eine Marktlücke gefunden und spielt immer wieder in Filmen über den Zweiten Weltkrieg den deutschen Nazi.

Nicht nur seine Geschichte ist außergewöhnlich, sondern auch seine Stimme: Die ist sicherlich tiefer als alles, was das Richtmikrofon vorne an der Angel jemals aufgezeichnet hat und fasziniert mich so, dass ich ihr ewig zuhören könnte. Nach 40 Minuten ist dann aber alles im Kasten, das Bier auf dem Tisch ist leer und es geht wieder durch den Untergrund in unser Basislager. Dort kommen meine Akkus ins Ladegerät, meine Speicherkarten in den Kartenleser und alles wird schon für den nächsten Tag gerichtet. Denn der Luxusfriseur im teuersten Viertel von Paris steht auf dem Programm.

Der Luxusfriseur: Willy Rieswick from Heimat Paris on Vimeo.

Drei Wochen später:

Die letzten Wochen waren einfach unglaublich, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viel ich vor die Linse bekommen habe. Neun vollkommen verschiedene Persönlichkeiten haben wir begleitet, 459 Gigabyte Filmmaterial produziert. Ich habe gesehen, wie eine Tierärztin einen kleinen Hund mit Akupunkturnadeln behandelt hat, ich wurde auf einem Manfrotto-Carbon-Stativ auf fast drei Meter Höhe ausgefahren und habe mich wie die kleine Schwester des Eiffelturms gefühlt und ich durfte mit Sondergenehmigung der Botschafterin eine Yogastunde in der Deutschen Botschaft filmen. Und noch viel, viel mehr.

Jetzt liege ich wieder auf meinem Regalbrett und schaue den Jungs zu, wie sie vor ihren Bildschirmen sitzen und wild auf ihren Tastaturen herumhacken. Während Martin in After-Effects die Titel bastelt, feilen Sebastian und Benedikt in Premiere Pro am Rohschnitt des Interviews. Und so geht das nun schon ewig. Immer wenn wir nicht gerade am Drehen sind, hocken sie vor den Rechnern. Denn das ganze Projekt soll in nur einem Monat abgeschlossen sein, bevor der Uni-Alltag wieder losgeht. Der hüfthohe Berg aus Pizza-Kartons in der hinteren Zimmerecke zeigt, wo in dieser kreativen Schaffensperiode die Prioritäten lagen. Und Schlafen scheint in dieser Zeit für die drei auch zur Nebensache geworden zu sein.

Aber soweit ich das mitbekomme, dürfte es sich gelohnt haben: Jeden Tag melden sich Menschen, die von dem Projekt gehört haben und nun ungeduldig auf weitere Filme warten. Die ersten Filmportraits sind schon auf der Projektseite online, alle weiteren folgen nun im Wochenrhythmus, immer pünktlich zum Wochenende. Ich würde ja gerne noch ein Weilchen zuschauen, wie die Jungs an dem Film über die Verkäuferin aus dem Pariser „Tante-Emma-Laden“ herumfeilen, aber mein Akku hat nur noch einen Ladebalken. Also gehe ich mal besser in den Ruhemodus, mein nächster Einsatz folgt bestimmt bald.

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