„Gravity“ – Wer hat’s erfunden?

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Quelle: Screenshot Website www.tessgerritsen.com

Es ist ein unglaublicher Vorgang, den Tess Gerritsen da schildert. Bisher machte die erfolgreiche Autorin Schlagzeilen mit erfundenen Thrillerstorys, die weltweit die Bestellerlisten hinauf klettern und schon für Kino und Fernsehen adaptiert wurden. Die aktuelle Geschichte um sie ist jedoch erschreckend real – wenn das alles stimmt.

Gerritsen enthüllte am 31. Januar 2015 in einem Post in ihrem Blog, dass sie kürzlich in einer rechtlichen Auseinandersetzung dem Major Studio Warner Bros. unterlegen ist. Gegenstand des Streits waren die Vertragsbestandteile der Verfilmungsrechte ihres Romans „Gravity“. Diese Rechte hatte sie 1999 an Katja Motion Picture Productions, eine Tochter von New Line Cinema veräußert. Moment. „Gravity“? Genau. Der Roman handelt von einer Biologin (witzigerweise heißt sie „Emma Watson“, aber das nur am Rande), die bei einer Mission im All auf der ISS strandet, die von einem unbekannten Organismus befallen ist. Eine Plotänderung für die geplante Verfilmung beinhaltete unter anderem, wie Satellitentrümmer die Raumstation zerstören und die Protagonistin schließlich im Raumanzug allein durch das All driftet.

Kommt bekannt vor? Mir auch. New Line entschied sich nach einer Entwicklungsphase im Jahre 2002 schließlich gegen das Projekt, kam 2008 nach einigen Flops (Darunter der nicht ganz so „Goldene Kompass“) ins Straucheln und wurde von Warner Bros. übernommen. Selbst, als Tess Gerritsen die ersten Informationen über Alfonso Cuaróns „Gravity“ erfuhr, verbuchte sie die Ähnlichkeiten zu ihrem Stoff noch als Zufall. Dann erfuhr sie, dass Curaón bereits in der ersten Phase mit New Line in der Entwicklung dabei war. Sie wendete sich an Warner, da ihr Vertrag mit New Line besagte, dass sie den „Based upon“-Credit bekommt, als Autorin bezahlt wird und an den Einspielergebnissen beteiligt würde. Warner lehnte ab. Gerritsen zog vor Gericht. Und verlor.

Der Hintergrund liegt in der bizarren Konstruktion, dass Warner durch die Übernahme zwar die Filmrechte erwarb, und gar nicht bestreitet, dass der Film auf den Ideen Gerritsens beruht, aber nicht an die Verpflichtungen daraus gebunden ist. Wie das funktioniert, ist auch der Autorin schleierhaft. Ein Horrorszenario, dass sich daraus herleiten ließe ist, dass sich Autoren in Zukunft tatsächlich nicht sicher sein können, inwiefern sie an einer späteren Verwertung ihrer Stoffe beteiligt werden, wenn sie die Filmrechte verkaufen. Denn es kann schonmal zehn Jahre dauern, bis ein Film gemacht wird. Und zehn Jahre sind eine Menge Zeit, die viele Chancen für Insolvenzen von Produktionsfirmen und Studios bietet.

Jetzt hat das Gericht Gerritsens Ansprüche in der aktuellen Lage zurückgewiesen. Immerhin gibt es einen Lichtblick. Gerritsen und ihre Anwälte haben noch die Gelegenheit, Fakten über die genaue Verbindung zwischen Warner Bros und New Line nachzuliefern. Nur die Beleuchtung der genauen Verhältnisse und damit Verpflichtungen kann laut Gerritsen eine Wende bringen.

Man kann nur hoffen, dass unabhängig von diesem scheußlichen Streit, die Erinnerung an den Film „Gravity“ davon berührt bleibt. Denn die Genialität der Machart, der Vision Cuaróns und seiner Mitstreiter, allen voran sein Kameramann Immanuel Lubezki, hat nichts mit dem Platzhirschgehabe eines Studios zu tun, dass jeden rechtlichen Spielraum nutzt, um Autoren nicht bezahlen zu müssen. Gerritsens Ärger ist also zu verstehen. Allerdings werden auch Stimmen laut, die ihr eine sehr tendenziöse Darstellung zum Zwecke der Dramatisierung ihres Falls in der Öffentlichkeit vorwerfen. Aber Dramatisierung, äh, das ist doch ihr Job?

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